14.11.2021 \\ Rosen und rote Beete

Bewegende Veranstaltung am Vorabend des Volkstrauertages in Halbe – ein Bericht

17:00 Uhr: Werner Wolff, Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Aktionsbündnisses gegen Heldengedenken und Naziaufmärsche in Halbe e.V., begrüßt die mehr als 80 gemäß Coronaschutzkonzept angemeldeten Gäste im Kaiserbahnhof zur Veranstaltung „Marlene Dietrich und Zarah Leander im Fadenkreuz des Faschismus“.

Zunächst begrüßt der Vorsitzende Susanne Rieckhof, 1. Beigeordnete und Dezernentin im Landkreis sowie weitere Vertreter von Parteien und Organisationen und richtet beste Genesungswünsche an Sylvia Lehmann (MdB) und Karin Weber (Mitglied des Kreistages), die von Anbeginn das Anliegen des Vereins unterstützen. Mit Applaus werden die Grüße des Eigentümers des Veranstaltungsobjektes, Peter Macky, aus dem fernen Neuseeland aufgenommen.

Arnold Mosshammer, der als 12jähriger die letzte große Schlacht des 2. Weltkrieges in Halbe erleben musste, betont, dass es auch nach 76 Jahren wichtig ist, sich zu erinnern. Er selbst werde, solange Gesundheit und Kräfte es zulassen, insbesondere der jungen Generation, über seine Erlebnisse berichten.

Mit der Beschreibung eines aktuellen Ereignisses im Landkreis macht Susanne Rieckhof in ihrem Grußwort deutlich, wie wichtig es ist, dass sich jeder die Frage stellt, ob man im Strom mit schwimmt oder nicht. Sie sagt: „Demokratie geht nicht ohne Mut!“

Im folgenden Programm, moderiert vom Verleger Jens Wollenberg,  werden der Künstlerinnen Marlene Dietrich und Zarah Leander gegenübergestellt.

Die eine, die ihr Leben lang gegen den Faschismus kämpfte und selbst nach ihrem Tod in Deutschland „nur noch bei wenigen als ‚Vaterlandsverräterin‘ umstritten“[1] war. Die andere, geboren als Sara Stina Hedberg, sich Zarah Leander nennend, in Nazi-Deutschland eine der bestbezahlten Künstlerinnen war und bis an ihr Lebensende meinte, dass ihre Lieder nur von der Liebe gehandelt hätten…

Begleitet von der Pianistin Elke Schrepel gelingt es der Sängerin Ila Raven, auch musikalische Unterschiedlichkeit der Lieder authentisch darzubieten.

Sie eröffnet das Konzert mit Marlene Dietrichs „Ich bin die fesche Lola“ gefolgt von „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ und Zarah Leanders „Ich steh im Regen“.

18:20 Uhr: Im zweiten Teil nach einer Pause, die offenbar nur zwei Besucher zum „leisen Abschied“ genutzt hatten, schafft es die Künstlerin, dass das Publikum mitsingt.

Das Mitglied des Begleitausschusses der Partnerschaft für Demokratie im LDS, Jürgen Behnke, konstatiert nach der Veranstaltung, dass er selbst wohl schon ganz schön alt sein müsse, da er ja alle Lieder kenne…

Dem Autor dieses Textes gelingt es nicht, den Leander-Gassenhauer „Davon geht die Welt nicht unter“ mitzusingen.

Zu stark ist die Szene aus dem Film „Die große Liebe“ (1942) im Kopf, in der Zarah Leander junge verwundete Soldaten verschiedener Waffengattungen (der erste Uniformierte im Großformat während des Liedes übrigens mit SS-Runen am Kragenspiegel) zum schunkeln und mit lautem mitsingen animiert: „Davon geht die Welt nicht unter...“

Der Kronenleuchter im Kaiserbahnhof erinnert an die Lüster, die während der betreffenden Filmszene zu sehen sind[2].

Wir sind in Halbe! Vor den Fenstern des Bahnhofs geht eine Kindergruppe mit Laternen vorbei.

Ila Raven bricht die Stimmung mit der von Marlene Dietrich 1963 erstmals auf Deutsch gesungenen Version von „Paff, der Zauberdrache“.

Was bleibt von Marlene Dietrich und Zarah Leander? Nur zwei große Diven einer vergangenen Zeit?

Viele singen das letzte Lied mit – manche nehmen die Brille ab…

„Sag mir wo die Blumen sind“

In die Stille nach der letzten Strophe wiederholt Ila Raven leise die letzten Worte des Refrains:

„Wann wird man je verstehen…“

 

19:20 Uhr: Mit roten Rosen und einem Gläschen selbsteingemachter Rote Beete aber vor allem langanhaltenden Applaus wird den Künstlerinnen und dem Moderator gedankt.

 

[1] suche und vergleiche Wikipedia

[2] Suche und schaue auf YouTube

© GKD 14.11.2021