19.05.2022 \\ Erinnerung an Familie Mosse

 

Weitere Stolpersteine im LDS

 

Der Künstler und Initiator des Stolpersteinprojektes, das als größtes dezentrales Mahnmal weltweit mit über 90.000 Stolpersteinen in Deutschland und Europa gilt, Gunter Demnig war wieder im Landkreis Dahme-Spreewald aktiv.

Die Familie des Verleger Rudolf Mosse war bis zur Enteignung 1936 Eigentümer des Gutes in Schenkendorf, welches nach der Wende als „Schloss Dracula“ eine kurzzeitige Wiederbelebung erfahren hatte. Zu DDR-Zeiten war es u.a. Wohnheim für Unteroffiziere und Standort einer Hundestaffel der Grenztruppen.

Vom Schicksal Rudolf Mosses und seiner Familie wussten nur wenige Schenkendorfer – und die redeten selten oder gar nicht darüber.

In Vorbereitung auf die 700-Jahrfeier Schenkendorfs stieß Achim Lorber auf die Geschichte der Familie Mosse. Es waren Schülerinnen und Schüler des Schillergymnasiums, die sich, unterstützt durch Lehrerinnen und Lehrer, im Rahmen einer Seminararbeit mit der Geschichte der Familie Mosse befassten.

 

Vorgänger ihrer Schule (damals noch Erweiterte Oberschule „W.I. Lenin“) hatten bereits Mitte der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts die Geschichte der Außenstelle des KZ Sachsenhausen in Königs Wusterhausen erforscht…

Rudolf Mosse wurde zu einem der einflussreichsten Verleger Deutschlands (u.a. Berliner Tagesblatt, Berliner Morgen-Zeitung, Berliner Volks-Zeitung u.v.m.) und residierte als Multimillionär im Mosse-Palais am Pariser Platz in Berlin.

1896 ließ er sich sein „Schloss“ in Schenkendorf bauen, in dem er 1920 an den Folgen eines Herzinfarktes starb. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde Mosses Unternehmen „arisiert“ und 1936 auch das „Schloss Schenkendorf“ enteignet.

Die Familie Rudolf Mosses war bereits 1933 über die Schweiz in die USA geflohen, wo sie nach wenigen Jahren verstarben.

Jetzt verlegte Gunter Demnig fünf Stolpersteine und eine Gedenkplakette vor der evangelischen Kirche in Schenkendorf, da der unmittelbare Eingang zum Schloss, das derzeit nicht begehbar ist, wenig geeignet ist.

Die Forschung erbrachte außerdem, dass die jüdische Familie neben großzügiger Unterstützung Schenkendorfer Vereine auch der hiesigen Kirche eine Glocke gespendet hatte. Mosse hatte zu seiner Zeit vielfältige soziale Projekte auf den Weg gebracht – u.a. ein interkonfessionelles Waisenhaus.

Es entspricht wohl dem Sinn des Stolpersteinprojektes, dass die evangelische Kirchengemeinde die Steine finanzierte und die jüdische Gemeinde Königs Wusterhausen sich beteiligen will.

In Gegenwart der Vizelandrätin Susanne Rieckhof, die ihre Teilnahme an der Verlegung als eine Ehre empfand, erklärte Gunter Demnig, dass Stolpersteine eine Verneigung vor den Opfern ist. Er betonte, dass der Künstler das eine sei. Entscheidend sind aber die Leute vor Ort – und das Interesse der jungen Menschen.

Neben Vertretern der Stadt Mittenwalde, der Gemeinde Schenkendorf und Vertreter von Verbänden und Vereinen nahmen auch Mitglieder des Begleitausschusses teil.

© GKD, Mai 2022