28.10. - 05.11.2018 Geschichte "erfahren" - Israel

Der Begleitausschuss hatte im Januar 2018 beschlossen, das Projekt des Stadtjugendringes Königs Wusterhausen „Erinnerungspädagogik neu gestalten, um Demokratiewerte zu vermitteln“ zu fördern.

Ausgangspunkt dieses Projektes waren Fragestellungen, die sich nach der mehrjährigen Realisierungen der erfolgreichen 3-Jahresreihe „Geschichte erFAHREN“ (Dachau, Theresienstadt, Auschwitz) ergeben hatten:

Was passierte mit den überlebenden europäischen Juden nach der Befreiung aus den KZ, was wurde aus dem latenten Antisemitismus heute?

Nach gründlichen Vorbereitungen u.a. mit einem Wochenendseminar und einem Besuch in der israelischen Botschaft, fuhren TeilnehmerIinnen aus dem Stadtjugendring, der Katholischen Jugend und der Kreissportjugend (sie hatten an der 3-Jahresreihe teilgenommen) nach Israel .

 

Alle verstanden sich bereits vor der Abreise als MultiplikatorInnen im Rahmen von Erinnerungspädagogik.

Gemäß dem BGA vorgelegten Programm wurden die Gedenkstätten Yad Vashem (die zentrale Gedenkstätte für die 6 Millionen ermordeten Juden), Yad Layeled (Erinnerungsstätte für die getöteten Kinder) und das Museum der Ghettokämpfer mit den Sonderausstellungen zur Vernichtungsstätte Treblinka und dem Eichmann-Prozess besucht.

Einen Eindruck, wie jüdische Einwanderer nach dem Holocaust auf dem Gebiet des heutigen Israel empfangen wurden, erlebten die TeilnehmerIinnen in der Gedenkstätte des Camps in Atlith.

Am 04.11., dem 23. Jahrestag der Ermordung des ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin, standen die TeilnehmerIinnen in Erinnerung schweigend an der Stelle des Attentats.

Vom Leiter des Instituts Neue Impulse e.V., Rudi-Karl Pahnke, der die Reise maßgeblich inhaltlich und vor Ort organisatorisch vorbereitet hatte und durchgängig dabei war, erhielten die TeilnehmerIinnen höchst sachkundige Erklärungen.

Die Gespräche mit Überlebenden der Shoha haben sich bei allen tief eingebrannt; George Sheffi, der in Yad Vashem seine Geschichte erzählte oder Joaw Hacarmeli, der durch die Gedenkstätte Atlih begleitete und anschließend „sein“ Haifa zeigte.

Höchst interessant war bei einem Besuch im israelischen Jugendherbergswerk zu erfahren, wie eng in Israel die Arbeit der Jugendherbergen mit Bildungsarbeit verknüpft ist.

 

In Tel Aviv wohnte die Gruppe in einer Jugendherberge, die an das Attentat auf israelische Sportler während der Olympiade in München 1972 erinnert, bei dem 12 Athleten und Betreuer getötet wurden.

Sehr aufschlussreich war das Gespräch mit dem Bischof der Evangelischen Lutheranischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land, Sani Ibrahim Charlie Azar, hinsichtlich des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Religionen.

Ein Abendgespräch mit dem Nahostkorrespondenten Ulrich Sahm in dessen Wohnung in Jerusalem, wo er auch für die TeilnehmerIinnen traditionell gekocht hatte, half bereits zu Beginn des Israelaufenthaltes genauer und differenzierter die politische Situation in der Region zu betrachten.

Zweifellos war der Höhepunkt der Besuch bei Miki Goldman-Gilead, Auschwitz-Häftling, Überlebender der Schoa und einer der 12 Ermittler gegen Adolf Eichmann, dem „Regisseur“ der „Endlösung der Judenfrage“.

Über vier Stunden berichtete er aus seinem Leben und beantwortete alle Fragen.
Was für ein beeindruckender Mensch, welch bewegender Nachmittag!

Bei diesem gewaltigen Programm scheint es rätselhaft, wie es geschafft wurde, in Jerusalem die christliche und muslemische Altstadt mit Damaskustor, Grabeskirche, Felsendom, Klagemauer, Markt, in Haifa das Templerviertel, die deutsche Kolonie und den gewaltigen Blick über die Stadt, in Akko, der Stadt der Kreuzritter, den Shuk (Markt), die Altstadt, den Hafen, im Norden Judäas einen wichtigen Ort jüdischer Gelehrsamkeit in Sedaf, oder um den See Genezareth herum urchristliche Stätten wie Kapernaum, den Berg der Seligpreisung oder eine Taufstelle in Yardenit zu besuchen.

Das 4.000 Jahre alten Tel Aviv Jaffa erlebten die TeilnehmerIinnen wie in „1000 und einer Nacht“.

Am Abend des vorletzten Aufenthaltstages berichtete in einer Auswertungsrunde jede/r über die starken Eindrücke der zurückliegenden Tage. Für ALLE ist klar, dass sie sich künftig als Zeugen der Berichte von Zeitzeugen verstehen.

Eine neue Frage trat auf: wie leben Nachkommen der Täter mit der Schuld ihrer Vorfahren?

Die ersten Auswertungen in Schule, Ausbildung und Arbeit haben begonnen oder werden vorbereitet.

Die Ziele des Projektes wurden mehr als erfüllt.

Alle TeilnehmerIinnen wünschen sich, dass die Gesundheit des 93jährigen Miki Goldman-Gilead es zulässt und man sich im Januar 2019 in Potsdam treffen kann (1).

Statistik: in 8 Tagen über 800 km per Auto und ca. 70 km zu Fuß.

 © GKD – 2018 11 10

(1) ... leider hatte der Arzt Miki Goldman-Gilead die Reise untersagt